Gelungene Uraufführung in der ausverkauften Oberösterreichischen Landesbibliothek in Linz: Regisseur Thomas Hinterberger brachte gestern Abend das einzige Theaterstück der österreichischen Autorin Marlen Haushofer – das sie selbst als Fernsehspiel geschrieben hat – brillant besetzt und gekonnt inszeniert auf die Bühne.
Es sei das Vorrecht der Jugend, Fragen zu stellen, heisst es im Stück. Doch wer lehrt einem, mit den Antworten umzugehen, falls man überhaupt welche bekommt? Gymnasiast Thomas Rosner (charmant, zweifelnd und mutig zugleich: Jonathan Schimmer) hat viele Fragen an sich und das Leben. Durch seinen Schulkollegen Max (Julian Sigl) wird er auch noch mit Fragen zur Vergangenheit seiner Eltern konfrontiert. Schwester Hedi (Nora Dirisamer) und Nachhilfelehrer Dr. Heinz (Alfred Rauch) haben zwar Antworten, doch was helfen diese einem 17-jährigen auf dem Weg vom Jungen zum Mann, wenn zudem Mutter Tilly (Birgit Schwamberger) zwischen ihm und Vater Martin (Ferry Öllinger) steht?
Geht es im Stück vordergründig um Schuld, Verantwortung, Ver- und Beschweigen im Österreich der Nachkriegsjahre, so ist der Stoff an sich wesentlich dichter und vielschichtiger. Thomas Hinterberger gelingt es, viele dieser Facetten in den einzelnen Figuren mit Feingefühl herauszuarbeiten und von den Schauspielerinnen und Schauspielern mit kleinen Gesten umsetzen zu lassen. Als Bühnenstück inszeniert bleibt der Regisseur der Dramaturgie des Fernsehspiels der späten 50er-Jahre treu und verleiht so dem Theaterabend einen besonderen Reiz.
Der Knabe im Dschungel
von Marlen Haushofer
Theaterkollektiv Nordlicht
Weitere Aufführungtermine sind geplant; Anfragen für Gastspiele in ganz Österreich bitte an den Verein Kult-ex.
macht lust, es zu sehen! kannst du die kommenden aufführungstermin auch bloggen? merci, madhu
… sofern ich davon erfahre, mache ich das gerne!